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Rad nach Prag

Rad nach Prag

Drei Anläufe waren nötig für meine Tour nach Prag.

Anlauf Nr. 1 vor einem Jahr: Start bei Starkregen - und da meine ich wirklich Starkregen - mit durchnässten Radklamotten und in der Folge einem wundgescheuerter A... - Abbruch.

Anlauf Nr. 2 vor einer Woche: Radschaden nach 20 km auf einer abgelegenen Autobahnbrücke in der Nähe von Ludwigsfelde. Ich habe an meinem Fahrrad statt einer Kette einen Zahnriemen. An sich ganz toll, er rutschte aber ab und die Reparatur mit meinen ungeschickten Fingern (und etwas Gewalt) ließ ihn reißen. Ergebnis war eine Stunde zum Bahnhof schieben und Rückfahrt mit dem RE. Abbruch.

Der reparierte Zahnriemen sitzt nach der Reparatur wieder korrekt.

Der reparierte Zahnriemen sitzt nach der Reparatur wieder korrekt.

Nun Anlauf Nr. 3: Der Start ist günstig. 16° und Sonne. Vom blauen Himmel rufen mir kleine weiße Wölkchen zu: Du schaffst es! Der Weg am Teltowkanal ist mit Joggenden und Radfahrenden gut frequentiert, ich komme aber zügig voran und ich spüre die Freude auf mein Abenteuer: 440 Radkilometern bis Prag. An der Autobahnbrücke bei Genshagen muss ich unwillkürlich nach unten auf den Antriebsriemen gucken. Hält er? Hier genau war er vor einer Woche gerissen und hat mich zurück nach Hause geschickt. Zur Erinnerung gibt's ein Foto und die Freude steigt weiter.

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Diesmal wird's klappen. Das Kopfsteinpflaster wechselt zum Plattenweg. Mit dem Tourenrad gerade noch so zu befahren. Mit einem Rennrad geht das hier nicht. Aber der Weg hat auch Vorteile: weit und breit kein Mensch. Schwäne in einem Wassergraben verdrehen erstaunt ihre Hälse, Reiher fliegen auf und ein Bussard erhebt sich widerwillig  von seinem Ausblick, wenige Meter neben dem Weg. Die Stadt ist weg. Ich komme in meinen Rhythmus. Erst recht, als der Weg in eine fast unbefahrene Allee mündet. Die Sonne blendet, alles fliegt vorbei. Doch der Weg hat noch eine Steigerung für mich parat. Bei Sperenberg treffe ich auf den Fläming Skate. Was für ein genialer Einfall der Planer, hier im Nirgendwo ein Netz von spiegelebenen Asphaltwegen zu bauen.  Nicht nur zur Freude der Skater, sondern auch mir zu liebe.

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Ich habe den Tag auf meiner Seite, ich habe Rückenwind. Ein Frauenchor am Straßenrand, der für mich singt. Vielleicht ist es auch nur mein Jauchzen. Ich rieche Kiefernduft, ein Reh kreuzt meinen Weg. Fast zu schade zum Anhalten, aber dennoch gibt's in Petkus eine Pause im "Roggenkönig". Der Wildschweinburger mit Roggenbrötchen aus dem Roggen der eigenen Landwirtschaft und ein alkoholfreies Weizen füllen meine Energiespeicher auf. Die Traumwege führen weiter durch Wälder, Wiesen und -Mist- über Hügel. Die 100 Kilometer sind überschritten und der Frauenchor singt nicht mehr.

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Nicht, dass ich nicht die perfekten und einsamen Wege genieße, aber ich spüre: langsam wird es hart, der Übernachtungsstopp ist fällig. Doch in der Einsamkeit gibt's halt keine Unterkünfte. Erst mit Blick auf Buchungsportale finde ich in Doberlug-Kirchhain mein ersehntes Zimmer. Die letzten Meter beißen noch mehr und, irgendwie ist es immer so, der Wind kommt jetzt von vorne. Dafür bietet das Quartier "Rautenstock" für 55 € mit Frühstück ein angemessenes Zimmer. Im Ort ist zwar nach 20 Uhr nichts mehr los, aber nach 145 km ist mir das auch total egal. Nach einem kurzen Blick auf das Schloss Doberlug freue ich mich auf mein Bett und auf das Frühstück morgen früh.

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Der Start in Tag zwei funktioniert. Es ist deutlich wärmer, der Himmel blau und mein Hintern schmerzt nur leicht. Die Brandenburger Wege sind nach wie vor in hervorragendem Zustand. Leider ändert sich das in Sachsen. Die Radwege wechseln zu Landstraßen mit wenig Verkehr, aber das unbeschwerte radeln ist dahin. Die Passage über das Zschornaer Teichgebiet  mit Blick auf Gewässer links und rechts vom Weg hebt meine Stimmung.

Tauscha, Zschornaer Teiche.jpg

Doch das letzte Stück nach Dresden begleitet mich mit schlechter Wegstrecke und Autolärm. Nach 82 km ist heute Schluss. Unmittelbar neben der Frauenkirche gönne ich mir Luxus für knapp 100 € im Innside by Melia. Anschließend gibt's den obligatorischen Rundgang und in glühender Sonne sehen Residenzschloss, Historisches und Neues Grünes Gewölbe umwerfend aus. Elbflorenz ist der ideale Abschluss der Tagesetappe.

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Elberadweg - voll gut

Der entspannte Nachmittag in Dresden und die komfortable Unterkunft haben meinen Akku wieder gut aufgefüllt. Die Tour startet durch den Großen Garten, vorbei am Palais und mündet bald auf den Elberadweg. Und mir wird klar: Er ist voll, weil er gut ist. Der perfekt ausgebaute Weg, fast immer mit Blick auf die Elbe, wird nur bei Pirna durch eine Baustelle unterbrochen.

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Beim Blick auf Schloss Pillnitz, Bastei, Burg Königstein summt wieder der Frauenchor am Wegesrand. Es stimmt wirklich: ich jauchze laut, als ich Affen- und Schrammsteine hinter Bad Schandau sehe.

Elberadweg.JPG

Der Übergang nach Böhmen ist nur durch einen unscheinbaren Wappenstein erkennbar. Der Weg bleibt weiter hervorragend, ist gut ausgeschildert und macht mir einfach Spaß. Nach 95 km erreiche ich Usti nad Labem, früher Aussig, und ich will zu meinem kurz vorher über booking.com gebuchten Hotel. Erst jetzt erkenne ich, dass das Haus wie eine Burg gegenüber auf einer Anhöhe steht. Fahrrad schieben ist angesagt. Erst hinterher finde ich heraus, dass es eine Seilbahn in den Ort gibt. Mit der Aussicht, nicht noch einmal den Berg erklimmen zu müssen, gondel ich rüber. Nicht wirklich lohnenswert. Außer einer Shoppingmall mit Costa Cappuccino ist fast alles Alte weg und das Neue versprüht sozialistischen Charme. Also schnell wieder zurück und von der Terrasse des Hotels Vetruse den Blick auf die Elbe und die dahinterliegende "Gropiusstadt" genießen.

Aussig, Usti nad Labem, .jpg

Heute will ich noch mal richtig reinkloppen.  Gut 120 km nach Prag sollten zu schaffen sein, wenn nichts dazwischenkommt. Durch mehrere Stauwehre sieht die Labe, so heißt hier die Elbe, fast aus wie ein langgestreckter See.

Labe bei Kresice Elberadweg.jpeg

Die Qualität des Weges ist unterschiedlich. Meist perfekt ausgebaut, aber auch Teilstücke als Schotterpiste. Wenn es auf Landstraßen geht, so sind sie nahezu unbefahrenen und richtig geeignet, um Tempo zu machen. Mit einer Mini-Fähre muss ich zwischendurch übersetzen und treffe dabei Günther aus Wiesbaden.

Faehre bei Vojkovice.jpg

Ich frage ihn nicht nach seinem Namen, aber Günther kann gut passen. Er hat schon eine Riesentour von Wiesbaden durch den Thüringer Wald mit Fahrrad und Einradanhänger hinter sich. Wir tauschen ein paar Radtouren-Tipps aus, aber ich habe meinen Schnellfahrtag und so starte ich durch. Kurz vor Prag, eigentlich fühle ich mich schon am Ende, treibt mir eine heftige Steigung den Schweiß auf die Stirn. Das Ziel so nah vor Augen, dehnen sich die Kilometer auf das Doppelte. Nach 6 1/2 Stunden Nonstop-Fahrt stehe ich aber endlich für mein Beweisfoto auf der Karlsbrücke. Nach so viel einsamer Fahrt ist Prag letztendlich ein Schock. Menschenmassen schieben sich durch die Gassen. Oft angeführt von einem hoch gehaltenen Regenschirm.

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Aber ich bin ja auch einer von den Massen. Und bei der schmucken, durchrestaurierten Zuckerstadt kann ich es auch verstehen. Mit einem Trdelnik, der traditionellen süßem Teigrolle in der Hand, steuer ich mein Hotel an. Wegen der Preise in der Innenstadt, habe ich ein Haus zweieinhalb Kilometer außerhalb gebucht.

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Nachdem ich mich heute am fünften Tag noch einmal durch Prag geschoben habe, geht's am Nachmittag zurück nach Berlin. Ich fahre für 30 Euro inklusive Fahrrad mit dem Flixbus in 4 Stunden zurück, wo ich doch 4 Tage hin gebraucht habe.

Aber unser Motto von grad60 ist ja: jetzt haben wir Zeit für uns. Wer sportlich ist, dem kann ich die Tour absolut empfehlen. Und wer es etwas gemütlicher angehen lassen will, für den bieten sich ja auch  mehr Zwischenstopps oder Teilstrecken an.

Für Interessierte hier der Link für die 1. Etappe: https://www.komoot.de/tour/37266637?ref=wtd

Am Anfang des Artikels steht “Werbung unbeauftragt”, das heißt, dass dieser Artikel ohne Beeinflussung und Bezahlung geschrieben wurde. Warum der Vermerk trotzdem dort steht, erfahrt ihr auf unserer Seite “Transparenz”.

 

 

 

 

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