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Mit grad60 auf E-Scootern

Mit grad60 auf E-Scootern

„Nur mit Helm!“ so die diktatorische Anweisung unserer Frauen. Und da auch die Vermieter der E-Scooter dringend einen Kopfschutz empfehlen, haben wir uns beide die Hartplastikschalen über den Schädel gestülpt. Martin und ich testen die E-Scooter in Berlin, mit denen ja nach Meinung einiger Medien, der baldige Untergang sämtlicher Lebewesen in den Innenstädten zu erwarten ist. So Spiegel-Online: "Im Stadtverkehr sind E-Scooter hochgefährlich." Oder das Handelsblatt: „Die USA haben immer mehr Tote durch E-Roller zu beklagen.“

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Das Mieten der Mordinstrumente ist denkbar einfach. Martin hat sich die App von „Lime“ heruntergeladen und ich versuche es mit „circ“. Absolut unkompliziert: E-Mail-Adresse und Handynummer eingeben, Kreditkartennummer oder „PayPal“ hinzufügen, E-Mail bestätigen und schon steht der Miete für 1 Euro Startgebühr und 19 Cent pro Minute rein technisch nichts mehr im Wege.

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Ein Freund hat unseren Test noch spitzzüngig „na, das ist ja echt altersadäquat!“ kommentiert. Wir lassen uns nicht beirren und starten unseren Versuch in Mitte am Lustgarten. Martin fängt an. Er startet die App und hält sein Smartphone an den QR-Code des zitronen-grün-gelben Rollers von „Lime“. Das Handy quittiert: „Miete begonnen“.

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Verstohlen schaue ich mich währenddessen um. Gehen die ersten Japaner schon in Deckung? Blicken Hipster verächtlich zu uns rüber? Ist das SEK alarmiert? Nichts!

Martin tritt die Tötungsmaschine wie ein Tretroller an, betätigt einen kleinen Kipphebel und düst mit Tempo los.

10 Meter daneben steht mein „circ“ in schwarz-orangenem Mercedes AMG-Look. Nur nicht tiefergelegt. Ginge auch nicht. Das Brett zwischen die Minirädern liegt ohnehin nur wenige Zentimeter über dem Boden. Genauso unkompliziert wie den „Lime“-Roller kann ich auch meine Killermaschine starten.

Wir biegen lautlos auf die Busspur Unter den Linden ein und beschleunigen bis zum Anschlag. Martins digitaler Geschwindigkeitsmesser zeigt 19 Stundenkilometer. Mein „circ“ ist minimal schneller, hat aber keinen Tacho.

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Trotz der Autos um uns herum fährt es sich entspannt. Nicht anders als auf einem Fahrrad. Die kleine Haltestange empfinde ich auch nicht als so wackelig, wie sie scheinbar aussieht. Schon nach wenigen Metern entspannen wir uns. Geht gut. Wir schlängeln uns an Touristenhorden vorbei durch das Brandenburger Tor, wie es auch für Radfahrende erlaubt ist. Nach 2 Kilometern noch keine Toten, nicht mal Verletzte.

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Unfallfrei geht es weiter zum Reichstag und mit der Sicherheit kommt der Spaß. 20 Stundenkilometer wirken auf diesem Gefährt sehr zügig und erhöhen die Fahrfreude. An der alten Kongresshalle, jetzt heißt die Schwangere Auster ja Haus der Kulturen der Welt, erzeugen wir einige Aufmerksamkeit. Nicht wegen der Roller. Bis das richtige Stativ-Foto geschossen ist, schreien wir mehrfach lauthals in die Kamera.

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Und jetzt ab in den Tiergarten. Der ist für Fahrräder frei, als dürfen wir auch rein. Der Elektromotor gibt kein Geräusch von sich und so ist nur das Knirschen der kleinen Räder auf Kies und unser Gekicher vernehmbar. Auf den großen befestigten Wegen geht es problemlos. Grober Kieselboden schlägt aber aufs Hirn. Ohne Federung werden die Stöße über Beine und Arme direkt an den Kopf weitergeleitet. Da hilft auch kein Helm.

Auch lockerer Boden ist so gut wie unbefahrbar. Die Räder sind einfach zu klein. Sie grubbeln sich in den Boden oder bleiben im Erdreich stecken. Und logisch, übers Wasser geht es natürlich nicht. Da hilft auch keine Bitte nach „Oben“.

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Wir cruisen mit Höchstgeschwindigkeit weiter durch den Park und schaffen es dennoch nicht, spazierende Rentner zu Tode zu erschrecken. Für ein Foto suchen wir die Löwenbrücke, müssen aber enttäuscht feststellen, sie ist abgebaut. Eine Fließ-Überquerung ist nicht möglich.

Nach einer kleinen Pause im Grünen beenden wir unsere Testfahrt am Schleusenweg. „Miete beenden“ auf der App gedrückt und schon sind wir wieder Fußgänger. Der 90-minütige Fahrspaß hat bei uns Beiden 14,30 Euro gekostet. Wir sind uns einig: wir haben oft schon mehr für weniger Unterhaltung bezahlt.

Und auch die Anzahl der Toten auf unserer Strecke ist im einstelligen Bereich geblieben.

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Habt ihr die Dinger auch schon mal getestet oder erinnert ihr euch an die Erfahrungen mit eurem ersten Roller in der Kindheit? Berichte und Fotos bitte an info@grad60.com

Ein Foto von 1959 mit echtem Tretroller schon mal hier. Und wer ist das? Es gibt untrügerische Merkmale!

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Am Anfang des Artikels steht “Werbung unbeauftragt”, das heißt, dass dieser Artikel ohne Beeinflussung und Bezahlung geschrieben wurde. Warum der Vermerk trotzdem dort steht, erfahrt ihr auf unserer Seite “Transparenz”.

Der Königsseeradweg

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