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Der Königsseeradweg

Der Königsseeradweg

Eine Radtour von Lindau am Bodensee bis zum Königssee nach Berchtesgarden. Ein Gastbeitrag von Thomas Gehrmann

Mein Freund Uwe aus Bremen wollte ursprünglich den Königsseeradweg mit seinem langjährigen Freund Horst aus Köln fahren, eine langwierige Knieverletzung zwang Horst jedoch zu Hause bzw. im Krankenhaus zu bleiben. Dadurch sprang ich kurzfristig ein, von Lindau am Bodensee bis zum Königssee nach Berchtesgarden zu radeln.

Mit dem Nachtzug der Bahn fahren wir von Bremen über Basel nach Lindau. Mit längerer Verspätung komen wir übermüdet und "gerädert", jedoch bei strahlendem Sonnenschein am 1. Juni in Lindau an. Der Hauptbahnhof liegt auf einer kleinen vorgelagerten Insel mit der von Leuchtturm und Löwen eingerahmten Hafeneinfahrt.

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Gestärkt mit Leberkäsbrötchen - es sollte nicht das letzte auf dieser Reise sein - und einem Rundgang durch die schöne Fußgängerzone von Lindau, nehmen wir die 1. Etappe in Angriff. Uwe hat sich die Routenkarte von Bikeline gekauft und ich mir die einzelnen Etappen über die App Komoot auf mein Handy geladen.

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Über super gut ausgebaute Radwege abseits der Straßen tauchen wir in den Allgäu mit seiner hügeligen bis bergigen Landschaft ein. Nach vielen kleineren Anstiegen und Abfahrten führt der Weg im Verlauf immer steiler bergauf, so dass ich schon am ersten Tag mehrfach bei den steilen Anstiegen absteigen und schieben muss..

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Das kann ja was werden, wenn das so weiter geht, sage ich mir an diesem 1. Tag des Öfteren. Es ist hier mit dem Gepäck doch was ganz anderes, als in Berlin mit dem Rennrad fast täglich zur Arbeit gefahren zu sein. Nur Uwe zeigt keine Blöße und strampelt im 1. Gang jede noch so steile Passage hinauf. Das wird sich auch bis zum Ende nicht ändern.

Nach etwas mehr als 40 km und "587" Höhenmetern fahren wir am 1. Tag "nur" bis Rutzhofen.

Während ich einen Rucksack trage, führt Uwe auf dem Gepäckträger eine rote Umhängetasche mit, die sich am Abend als eine Art Zauberzylinder entpuppt, enthält sie nicht nur viele Getränkeflaschen und sonstige Reiseutensilien, sondern auch eine Flasche Wodka und zwei Eierbecher. Es wird zu einem täglichen Ritual, ein, zwei, manchmal auch drei Gläschen am Ende des Tages zu verköstigen.

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Tag 2: Über den Großen Alpsee an der Iller nach Nesselwang

Nach den Strapazen des 1. Tages werden wir am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein, klarer Landluft und Kuhglockengeläut auf der Terrasse mit einem tollen Frühstück empfangen.

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So kann die 2. Etappe beginnen, insbesondere bei dem Gedanken, was man gestern schon an Steigungen zurückgelegt hat. Ich weiß aber nicht, dass es am 2. Tag noch etwas mehr Höhenmeter werden. Komoot belohnt mich mit der Auszeichnung Anstieg 3 (2000 Fuß).

Die erste Pause gönnen wir uns am wunderschön gelegenen Großen Alpsee, der einlädt, zumindest die Beine in das kalte Nass zur Abkühlung zu stellen. Über Immenstadt, entlang der Iller und vielen kleinen beschaulichen Dörfern legen wir etwas mehr als 60 km mit 641 Höhenmetern bis Nesselwang zurück.

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Nach den zurückliegenden starken Regenfällen leuchten die Wiesen in vielfältigen, kräftigen Grüntönen und es riecht nach frisch gemähtem Gras.

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Ohne Helm wäre in Nesselwang für mich die Reise oder vielleicht auch mehr zu Ende gewesen, da ich an der Tourismusinformation tollpatschig beim Absteigen vom Rad rücklings zu Boden falle und mit dem Kopf hart gegen die Kante einer Treppenstufe aufschlage. Glücklicherweise bleibt es bei ein paar Hautabschürfungen, so dass ich mich weiterhin an der tollen Landschaft erfreuen kann.

Tag 3: An Bergseen vorbei nach Bad Kohlgrub

Die 3. Etappe von Nesselwang führt uns am Hopfensee, dem Forggensee über Füssen an den exponiert gelegenen Schlössern Hohenschwangau und dem Schloss Neuschwanstein vorbei bis nach Bad Kohlgrub. Auf dem Parkplatz am Schloß Neuschwanstein scharen sich die Reisebusse und Pkw mit Touristen. Wir halten nur kurz für Fotos an, haben wir doch beide diese Touristenattraktion bereits besucht.

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Auch auf diesem etwas mehr als 64 km langen Teilstück sind 537 Höhenmeter zu bewältigen. Aber ab dem dritten Tag habe ich mich an die Anstiege etwas mehr gewöhnt und nehme sie mehr sportlich, auch wenn ich hin und wieder mal absteigen muss.

Ein Highlight nach dem anderen, seien es Gebäude, Landstriche, gemähte oder Blumenwiesen, Seen, der blaue Himmel, oder die schneebedeckten Berge am Horizont. Wir kommen aus der Begeisterung kaum heraus. Hinter jedem Hügel oder Kurve erwartet uns ein neuer schöner Anblick auf die Natur - ein Orgasmus für die Augen. Die Menschen, die hier leben, sind zu beneiden.

Das Wetter meint es sehr gut mit uns, so dass wir bei fast jedem See anhalten und uns erfrischen. Manchmal tut es aber auch ein kleiner Brunnen.

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Tag 4: Auf Abwegen nach Bad Tölz

Auch heute legen wir 60 km bis Bad Tölz zurück. Die Landschaft verändert sich langsam, es sind nicht mehr so viele steile Anstiege und der Tag beginnt mit einer langen Abfahrt.

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Um noch einige Zeit am Staffelsee entlang fahren zu können, schlage ich vor, eine Abkürzung durch den Wald abseits der Route zu nehmen. Der Weg entpuppt sich allerdings als nicht fahrradtauglich und verliert sich leider im mit Moos bedeckten Wald. Schiebend und leise fluchend erreichen wir letztlich doch noch den Seeweg.

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Über den Kochelsee, das Kloster Benediktbeuern, Bad Heilbrunn erreichen wir am späten Nachmittag Bad Tölz, wo wir unmittelbar am Kurpark ein schönes Quartier finden.

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Der Inn, der durch Bad Tölz führt, hat eine enorme Strömung und eine fast türkisfarbene Färbung. Die Altstadt mit seinen eindrucksvoll bemalten Fassaden und Giebeln ist schön anzusehen.

Am Abend relaxen wir noch etwas im Kurpark und kommen mit einem älteren Ehepaar ins Gespräch, die in Bad Tölz eine längere Zeit verbringen. Als wir so ins Gespräch vertieft sind, kommt ein Typ auf uns zu und fragt mit aufgeregter und ernster Stimme, ob von uns "jemand einen Notarzt bräuchte". Uwe lacht sich weg und wir stellen fest, dass es ulkige Vögel überall gibt.

Tag 5: Tegernsee-Erfrischung mit Tagesziel Bad Feilnach

Wie jeden Tag stehen wir um 08.00 Uhr auf. Nach dem ausgiebigen Frühstück geht es auf die nächste Etappe nach Bad Feilnach, auf der wieder etwas mehr als 600 Höhenmeter zu absolvieren sind.

Den ersten längeren Stopp legen wir am Tegernsee ein. Wir kommen am Ufer an einer schönen Badestelle mit kostenfreier Toilette und Umkleidekabinen vorbei, die zu einem erfrischenden Bad einlädt. Immer wieder sagen wir zu uns, wie gut wir es haben, hier sein zu können und genießen die Natur in vollen Zügen.

Auch am Schliersee springen wir ins kühle Nass, der jedoch deutlich wärmer ist als der vielleicht 16 Grad kalte Tegernsee.

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Das Freilichtmuseum "Markus Wasmeier" lassen wir links liegen, denn ich hatte gelesen, dass es auf diesem Teilstück ein sehr schönes und gutes Café, das “Café Winklstüberl", geben soll.

Fast sämtliche Plätze der riesigen Terrasse sind bei unserer Ankunft besetzt, auf dem Parkplatz stehen mehrere Reisebusse. Offenbar ein beliebter Platz für irgendwelche "Kaffeefahrten".

Die Kuchenauswahl und die Größe der Stücke sind beeindruckend. Ein Stück teilen wir uns deshalb, obwohl es auf dem Foto nicht so aussieht.

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Mein Sohn fragt mich später, als ich das Foto gepostet hatte, ob noch jemand zum Kuchenessen vorbeikommen würde.

Unser Tagsziel Bad Feilnach erreichen wir im Anschluss an eine rasante Abfahrt. Bei 55 Stundenkilometern bremse ich allerdings dann doch ab.

Tag 6: Rund um den Chiemsee

An diesem Tag steht die Fahrt zum Chiemsee auf dem Programm. Übernachten wollen wir in Bernau.

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Da die Etappe mit 40 km recht kurz ist und wir sehr schnell eine Übernachtungsmöglichkeit finden, entschließen wir uns, den Chiemsee zu umrunden und packen nochmal etwas mehr als 50 km drauf, so dass es schließlich fast 100 km werden.

Die Umrundung des Chiemsee habe ich mir allerdings landschaftlich schöner vorgestellt, wir müssen etliche Kilometer neben der Autobahn fahren und oftmals kann man gar nicht oder nur verbotswidrig am Ufer entlangradeln. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wege aufgrund der starken Regenfälle in den zurückliegenden Tagen teilweise unter Wasser stehen. Aber das Durchfahren der tiefen Pfützen macht dennoch viel Spaß.

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Den Abend lassen wir bei einer leckeren Schweinshaxe zünftig ausklingen.

Tag 7: Am Geheimtipp Högelwörther See vorbei nach Anger

Die vorletzte Etappe nach Anger ist landschaftlich auch wieder ein richtiger Höhepunkt. Aufgrund des bevorstehenden Pfingstwochenendes rufen wir von unterwegs die Touristeninformation in Anger an und fragen nach einer Übernachtungsmöglichkeit für zwei Radwanderer. Die freundliche Mitarbeiterin bietet an, sich zu kümmern und zurückzurufen. Nach 20 Minuten offeriert sie uns ein preiswertes Zimmer mit Frühstück direkt am Dorfanger. Übrigens soll König Ludwig Anger "sein schönstes Dorf" genannt haben. Den größten Dorfanger scheint Anger jedenfalls zu haben.

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Kurz vor Traunstein treffen wir auf zwei ältere Ehepaare, die mit ihren E-Bikes unterwegs sind. Im Verlauf des Gesprächs bekommen wir auf unsere Frage nach einer guten Eisdiele, den Tipp, zum Bahnhof von Traunstein zu fahren, da es dort das beste Eis gäbe. Wieder einmal bestätigt sich, dass man sich auf Einheimische verlassen kann, wenn man nur fragt, denn die Portion schmeckt nicht nur super gut, sondern ist auch riesig groß.

Als ein absoluter Geheimtipp entpuppt sich an diesem Tag ein Abstecher zum Högelwörther See. Sehr idyllisch unweit einer Kirche gelegen, befindet sich an dem Natursee ein öffentliches, sehr gepflegtes Schwimmbad - übrigens kostenfrei -, das über eine kleine Gastronomie für jeden Hunger und Geschmack verfügt.

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Tag 8: Am Ziel, der Königssee

Die letzte Etappe führt uns über Bad Reichenhall und Berchtesgaden nach Schönau, wo wir bereits für zwei Tage ein Hotelzimmer gebucht haben.

Die Königsseer Ache ist zu einem reißenden Fluß geworden, tosend rauscht er an uns auf dem Weg zum Königssee vorbei. Ich würde eigentlich gerne das Gepäck schon im Hotel einstellen. Doch Uwe treibt mich an, erst einmal zum Königssee zu fahren, dem Ziel unserer Radreise. Etwas mürrisch willige ich ein. Ich muss aber letztlich zugeben, dass es die richtige Entscheidung ist, gleich zum See zu fahren und die Bootsfahrt zu machen.

Eingebettet zwischen Watzmann und Jenner erstreckt er sich fjordartig zwischen den steilen Berghängen.

Mit dem Elektroschiff geht es von der Anlegestelle über St. Bartholomä zur Saletalalm. Auf der Strecke demonstriert uns der Bootsführer mit seiner Trompete das Echo. Zu früheren Zeiten, erzählt er, wurde vom Schiff aus mit einem Böller geschossen und ein bis zu siebenfaches Echo erzeugt.

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Das Pfingstwochenende hält für uns noch eine Überraschung bereit. Die Seilbahn auf den Jenner ist nach einjähriger Instandsetzung wieder mit neuen Gondeln in Betrieb. So verbringen wir den ganzen Tag in den Bergen, diesmal ohne Fahrrad, aber bei traumhaft klarem Wetter und toller Aussicht.

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Es heißt, der Königsseeradweg ist einer der schönsten Radtouren in Deutschland. Zugegeben, ohne E-Bike mit fast 4000 Höhenmetern ist es auch ganz schön anstrengend. Aber es lohnt sich, landschaftlich ein Traum, gerade wenn einem das Wetter so wohlgesonnen ist. Ich werde diese Tour in jedem Fall noch einmal fahren.

Liebe grad60-Leserinnen und -Leser, dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Thomas Gehrmann. Wenn ihr auch einmal Lust habt, eure Erlebnisse mit uns zu teilen, so schreibt einfach an info@grad60.com. Und wenn ihr Hilfe dafür braucht, wir unterstützen sehr gerne. Alle Unternehmungen sind spannend! Lasst uns darüber reden.

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