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Die Menschheit, Prof.  Harari und ich

Die Menschheit, Prof. Harari und ich

Eine Buchbesprechung.

Ich bin ein Homo sapiens, glaube ich, jedenfalls lässt das Verhalten meiner Mitmenschen darauf schließen, und ich bin Teil einer rund 7,6 Milliarden Köpfe zählenden Menschenaffenspezies.

Unsere Erde ist schätzungsweise 4,6 Milliarden Jahre alt und es heißt, dass vor ca. 70.000 Jahren besagter „Sapiens“ mit dem Aufbau von folgenreichen Strukturen begann; diese Strukturen werden heute allgemein als Kultur bezeichnet und die Entwicklung dieser Kulturen als Geschichte. Böswillige, pessimistische und vielleicht etwas zynisch daherkommende Zeitgenossen könnten diesen Zeitpunkt als den Anfang vom Ende des doch so schönen Planeten Erde bezeichnen. Eines scheint klar: der blaue Planet ist krank, er hat „Menschheit“ und niemand weiß, ob er sich jemals wieder davon erholen wird.

Prof. Dr. Yuval Noah Hararis Werk mit dem Titel „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ zeichnet auf grandiose Weise den Werdegang der Spezies Mensch nach und versucht, auch diese Frage zu beantworten.

Harari Yuval Noah © privat[1031].jpg

(Bild privat)

Harari ist 1976 in Haifa, Israel, geboren worden, wurde an der Universität von Oxford promoviert und ist heute Dozent der Fakultät für Geschichte der Hebräischen Universität Jerusalem. Seine Forschungsgebiete sind Weltgeschichte, Mediävistik und Militärgeschichte. „Die Geschichte begann, als die Menschen Götter erfanden und wird enden, wenn die Menschen zu Göttern werden.“ Ein Zitat von seiner Homepage, das als Hinweis zum roten Faden zu verstehen ist, der sich durch seine Arbeit zieht.

Wie kann ich euch nun neugierig auf dieses Buch machen?

Hararis Werk ist im Grunde genommen ein Erklärfix für alles. Warum haben wir bis heute überlebt? Warum sind wir moderne Sklaven des Konsums und vertrauen Geld und Gesetzen blind? Und sind wir im Laufe der letzten 100.000 Jahre glücklicher geworden?

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(Bild Pantheon Verlag / Random House)

Das Buch beginnt mit dem Abschnitt über die „Kognitive Revolution“ und den Folgen für die Entwicklung der Menschheit. „Die ersten menschenähnlichen Tiere betraten vor über 2,5 Millionen Jahren die Bühne. Aber über viele Generationen hinweg stachen sie nicht aus der Vielzahl der Tiere heraus, mit denen sie ihren Lebensraum teilten“, schreibt Harari. Da waren sie aber auch schon von den Bäumen gestiegen und lebten aufrecht gehend in der Savanne.

Es war aber nicht nur eine Art. „In Wirklichkeit lebten 2 Millionen Jahre lang, bis vor rund 10.000 Jahren, gleichzeitig mehrere Menschenarten auf unserem Planeten“, erläutert Harari. Bei allen Differenzierungen hatten die verschiedenen, nach heutigem Stand der Forschung mindestens sechs, Arten von Menschen eine entscheidende Gemeinsamkeit: sie verfügten über ungewöhnlich große Gehirne. Und was haben sie mit diesem Vorteil angefangen? Na schauen wir mal und lesen weiter!

Im Verlauf des ersten Abschnitts beschreibt der Professor den Aufstieg des Menschen an die Spitze der Nahrungskette im Tierreich sowie die Wanderungsbewegungen auf unserem Planeten und diskutiert die Thesen der Vermischungs- und Verdrängungstheorie zwischen Homo Sapiens und Neandertaler.

Weiterhin werden die Sprachentwicklung sowie die Abkehr vom Jäger- und Sammlerdasein und die Hinwendung zur Landwirtschaft erörtert. Hier hat mich die Erkenntnis über ein -wahrscheinlich- sehr entspanntes und glückliches Leben als Wildbeuter verblüfft. Zwei bis drei Stunden Arbeit am Tag und ansonsten Beine hochlegen, klasse! Und es hat mindestens 100.000 Jahre lang funktioniert.

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Im dritten Teil geht es um die Vereinigung der Menschheit. Harari beschreibt die Bedeutung von erfundenen Ordnungen, von Mythen und Märchen. Diese programmieren die Menschen von Geburt an, auf eine bestimmte Weise zu denken und zu handeln, bestimmte Dinge zu wollen und bestimmte Regeln zu befolgen. Dieses Netz der künstlichen Instinkte nennen wir „Kultur“.

„Ägypter zu sein bedeutete automatisch wie ein Ägypter zu gehen, zu stehen, zu sitzen, zu sprechen und zu denken.“ Tausende von Jahren änderte sich nichts am ‘Walk like an Egyptian’. Heute hingegen unterliegen alle Kulturen einer hohen Veränderungsdynamik, da Vorstellungen, Normen und Werte durch Umwelteinflüsse, Begegnungen mit Nachbarkulturen sowie den sozialen Netzwerken ständig modifiziert werden. Die von bestimmten Kreisen so intensiv beschworene eigene -ja angeblich einzigartige- Kultur ist wie jede menschliche Ordnung voller Widersprüche, muss deshalb dauernd angepasst werden und verändert sich. Mit anderen Worten: Wer die große Rede von der alternativlosen Bewahrung der eigenen Kultur schwingt, sollte mal über den Tellerrand schauen und er wird bemerken, dass nichts bleibt, wie es ist.

„Jeder beliebige Moment der Geschichte ist ein Scheideweg“, schreibt Harari weiter. Nur eine Straße führt aus der Vergangenheit in die Gegenwart; aber in die Zukunft führen viele Wege. Jeder von uns hat in jeder Sekunde seines Daseins die Wahl: gehe ich nach rechts oder gehe ich nach links. Und jede meiner auch noch so unbedeutenden Entscheidungen wirkt sich unmittelbar auf meine Zukunft aus. Stimmt, finde ich.

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Es folgen tiefschürfende und mich überzeugende Erkenntnisse zum Thema Glück und zum Sinn des Lebens. “Wenn Glück eine Frage der Erwartungen ist, dann könnten zwei Säulen unserer Gesellschaft - die Massenmedien und die Werbung - entscheidend zu unserem Unglück beitragen”, schreibt Harari und atomisiert anschließend alle religiös geprägten Überzeugungen zum Lebensinhalt mit dem Satz: “Soweit wir das aus rein wissenschaftlicher Sicht beurteilen können, hat das Leben nicht den geringsten Sinn. Wir sind nicht mehr als das Produkt eines evolutionären Prozesses, der ohne Zweck und Ziel agiert. Unser Leben ist nicht Teil eines göttlichen Plans für das gesamte Universum, und wenn die Erde morgen in die Luft fliegen sollte, würde das Universum wie gewohnt seinen Routinen nachgehen. Niemand würde uns Menschen mit unseren subjektiven Empfindungen vermissen.” Au weia, denke ich mir, da hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Das wird nicht jedem Leser gefallen. Muss ja auch nicht; zum Nachdenken regt es auf jeden Fall an.

Zu guter Letzt und zum Abschluss dieses beindruckenden Buches reflektiert Harari sehr umfassend Segen und Fluch der Gentechnik sowie Chancen der Bionik (Cyborgs). Auch hier ist es das reinste Vergnügen, dieses Sachbuch zu lesen. Sicher, alles was Harari schreibt, haben schon anderer irgendwo niedergeschrieben. Aber er greift nahezu jede Strömung, jeden Hinweis, jede Ausarbeitung und Dissertation zum Thema auf und verpackt es in eine romanhaft geschriebene neue Hülle. Dass er umfangreich recherchiert hat, kann man auch an den beindruckenden Literaturhinweisen in den Anmerkungen des Buches erkennen (14 Seiten).

„Vor 70 000 Jahren war der Homo sapiens noch ein unbedeutendes Tier, das in einer abgelegten Ecke Afrikas seinem Leben nachging“, formuliert Harari im Nachwort. Er, dieser ganz besondere Menschenaffe, der einst vom Baum stieg, wurde zum Schrecken des Ökosystems und steht -mit der Lizenz zum Töten ausgestattet- kurz davor Gott zu werden. Und so schließt das Buch auch mit dem Satz: „Gibt es etwas Gefährlicheres als unzufriedene und verantwortungslose Götter?"

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Bevor ich jetzt den Buchdeckel schließe, verneige ich mich innerlich vor diesem hochintelligenten „Homo sapiens“, der in der Lage war, mir flüssig und kurzweilig, mit einfachen, unwissenschaftlichen Worten nahezubringen, woher wir kommen, wer wir waren und wer wir sind und wohin es mit uns Menschen noch führen könnte.

Chapeau!

Ich appelliere an euch: lest diesen internationalen Bestseller (40 Sprachen). Es öffnet den Blick für das, was war und was ist. Ganz einfach, nicht mehr und nicht weniger.

Das Buch ist 2013 im Pantheon Verlag (Verlagsgruppe Random House) erschienen; die hebräische Originalausgabe (2011) trägt den Titel “A Brief History of Mankind - Kizur Toldot Ha-Enoshut”.

Falls ihr Bemerkungen zum Buch oder zum Block habt, schreibt uns: Info@grad60.com

Wir würden uns freuen.

Am Anfang des Artikels steht “Werbung unbeauftragt”, das heißt, dass dieser Artikel ohne Beeinflussung und Bezahlung geschrieben wurde. Warum der Vermerk trotzdem dort steht, erfahrt ihr auf unserer Seite “Transparenz”.

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