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Gauklerfest

Gauklerfest

Wenn das Kleinst-Unternehmen Carnica Spectaculi aus Lebus ein Fest veranstaltet, strömen die Menschen zusammen, um sich in ein mittelalterliches Flair versetzen zu lassen. So ist es auch heute wieder, am Tag der Deutschen Einheit. In der Zitadelle Spandau findet das Gauklerfest statt. Das ist unser Ziel, für mich und meine Frau, da wollen wir hin.

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Die Zitadelle Spandau ist ja bekanntermaßen einer der bedeutenden und besterhaltenen Festungen der Hochrenaissance in ganz Europa. Sie liefert somit das stilechte Ambiente für ein Gauklerfest. Das übliche Getümmel auf solchen Märkten ist dieses Jahr Corona bedingt eingeschränkt, aber die Stimmung scheint trotzdem sehr gut zu sein und wir stürzen uns ins Geschehen; überwiegend mit Maske, so wie viele andere auch, aber nicht immer. Ich stelle mich zunächst an eine Feuerstelle und lasse meinen Blick schweifen.

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Als Gaukler bezeichnete man im Mittelalter Unterhaltungskünstler verschiedener Art wie Artisten, Zauberer, Clowns und Komiker, aber auch Possenreißer, Taschenspieler oder Tierschausteller. Letztere gibt es hier glücklicherweise nicht; obwohl ich beim Bogenschießen zweimal hinschauen muss, ob der Keiler nicht doch echt ist.

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Wir streben die Bühne an, denn dort sollen jetzt die Feuerjongleure der Gruppe Opus Furore ihre Kunststücke vorführen. Sie sind ziemlich bekannt in der Szene, aber nicht nur dort bei den Mittelalteraffinen, sondern auch bei ganz „normalen“ Leuten. Sie haben verschiedene Programme und sind europaweit zu allen möglichen Anlässen unterwegs. Also los, das wollen wir auf keinen Fall verpassen.

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Was hier Micha und Micha aka „Mike and Mike“ zeigen, ist schon etwas ganz Besonderes. Sie beherrschen ihr Handwerk. Die brennenden Fackeln fliegen durch die Luft und das Volk stöhnt und jubelt und schreit. Wir fühlen uns inmitten einer glühenden Masse von Bewunderern. Obwohl ich einige Meter entfernt bin, glaube ich, die Wärme der Fackeln zu spüren. Bei jedem Wurf denke ich, “na hoffentlich passiert nichts”. Aber sehr lässig und cool treten M & M hier auf. Das ist wirklich unglaublich gut, was die Beiden hier vorführen. Klasse!

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Nach rund 20 Minuten ist die Show vorbei. Ich drehe mich um und entdecke meine Traumwade. Also nicht wirklich, aber dieses Tattoo mit Route 66 und Las Vegas muss ich einfach fotografieren. Ich hoffe, der Träger dieses Kunstwerkes ist nicht sauer. Fragen tue ich ihn nämlich nicht. Der sieht mir zu gefährlich aus.

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Die Masse Mensch wabert um uns rum. Ziemlich oft mit Maske und einigermaßen Abstand. Ich schaue interessiert in alle Richtungen. Die Kostüme sind oft ausgefallen und zum Teil auch richtig schick. Und was hier an ausgefallenden Kopfschmuck zu sehen ist, macht mich fast sprachlos. Ob die im Alltag auch so rumlaufen? Bei einigen glaube ich das.

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Da muss ich doch gleich mal nachziehen. Mit Haaren kann ich zwar nicht dienen, weder mit Zotteln noch mit Fransen, aber mit Helm. Ob der mir steht?

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Nach den ersten Eindrücken haben wir Durst und begeben uns an einen Stand. Meine Frau will Kirschbier, ich bleibe bei einem ganz normalen Weißblonden. Prost an alle!

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Plötzlich wird das bunte Markttreiben jäh unterbrochen von einem wilden Schwertkampf unter ungleichen Partnern. Der eine hat eine Komplettrüstung mit Helm und der andere eher nicht. Es geht heiß her. Es ist nicht sicher, wer gewinnen wird. Gebannt schauen wir zu.

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Die imposante Festungsanlage der Zitadelle bietet ja auch ohne Gauklerfest tolle Details. Wir wollen uns einen kleinen Teil davon ansehen. Von oben werfe ich einen Blick hinunter zum bunten Treiben.

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Wir gehen über den Burgwall in den hinteren Teil und steigen zum Rundgang eine steile Treppe hinunter.

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Am Ausgang gibt es einen Stand mit mittelalterlichen Musikinstrumenten und zwei Musikern, die interessierten Zuhören ihre Geschichten erzählen.

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Wir fühlen uns von Handwerk und Handel sehr authentisch in die Zeit des Mittelalters entführt und sind auch nach rund zwei Stunden immer noch neugierig auf Waren und Dienstleistungen. Meine Frau überlegt kurz und intensiv, ob sie sich am Henna-Stand verschönern lassen will.

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Ich schreite nicht offensiv ein, sondern bleibe locker kompromissbereit und passiv abwartend. Aber es kommt nicht dazu. Schade eigentlich. Wir ziehen weiter, wieder zurück zur Bühne. Jetzt sollen gleich die Musiker der Gruppe Tanzwut auftreten.

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Der Name ist dem Mittelalter entlehnt: Als Mitte des 14. Jahrhunderts die Pest in Europa herrschte, wurde manchmal so lange ekstatisch getanzt, bis die Leute zusammenbrachen oder starben. Man hatte die Tanzwut, um Erschöpfung und Leid zu entkommen. Es ist Musik auf Instrumenten dieser Zeit und verführt zum Mitmachen, Klatschen, Rufen und Schreien. Ein Spektakel halt. Uns gefällt’s. Und mir vor allen Dingen der Dudelsackspieler. Der sieht nicht nur irre gut aus, der spielt auch super.

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Wir gehen weiter. Auf einem handbetriebenen Karussell kann sich das Jungvolk vergnügen. Ich schaue mir das mal genauer an und muss feststellen, dass ein Karussellbetrieb ohne Strom ganz schön anstrengend sein kann und Kondition, Konzentration und Verantwortungsbewusstsein für das Wohl der kleinen Gäste erfordert. Zwei Mann bringen das Karussell auf Tempo, mehrmals während einer Fahrt. Und sie sind dabei schwer am Pusten und Schnaufen, am Ackern sozusagen, wie die Heudrescher. Wie man den Job wohl auf dem Arbeitsamt anpreist? Karussellschubser? Ich habe keine Ahnung!

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Zahlreiche Schenken und Tavernen sorgen sich um das leibliche Wohl des Volkes und verwöhnen den Gaumen mit deftigen und süßen Speisen. Auch wir kaufen hier etwas und probieren dort etwas. Und wir überlegen, unsere häusliche Geschirrausstattung zu ergänzen.

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Oder vielleicht doch lieber ein uriges Trinkhorn?

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So langsam wird es kühler und unsere Neugier ist gestillt. Es was ein kurzweiliger Besuch auf einem mittelalterlichen Markt mit durchgehend stimmigem Ambiente. Ein letzter Blick in die Runde und ab durch die Mitte.

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Auf dem Weg nach draußen muss ich doch noch einmal an dem Stand mit allerlei Schnickschnack stehen bleiben. Da hängt ein seltsamer Gegenstand, ein Traumfängerteil oder so. Sieht auf jeden Fall interessant aus. Ich weiß nicht wirklich, was das ist. Aber es gefällt mir. Ob ich das mitnehme?

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Wir schreiten über die Brücke der Zitadelle nach draußen. Die Sonne hat ihr Tagewerk ebenfalls fast vollendet. Fleißig war sie heute. Sie hat alles gegeben an diesem wunderschönen Herbstnachmittag. Und auch für uns geht ein perfekter Tag zu Ende.

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Noch ein Wort zu den abgebildeten Personen und Persönlichkeitsrechten:

Die meisten Menschen auf den Fotos werden, wenn sie nicht Künstler sind, unerkannt und anonym bleiben, darum habe ich mich bemüht. Fragen konnte ich aber die Wenigsten und es ist mir vielleicht nicht immer gelungen, die Identität zu verschleiern. Wer sich hier zu Unrecht abgebildet sieht, hat selbstverständlich das Recht auf Entfernung seines Bildes. Dem würden wir sofort nachkommen. Bitte eine kurze Mail an info@grad60.com

Und übrigens: Der Artikel wurden ohne Bezahlung, Vergünstigung oder Beeinflussung geschrieben. Weitere Informationen zu diesem Thema findet ihr auf unserer Seite Transparenz.

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