Hallo

DSCF2003.JPG

Herzlich willkommen auf unserer Magazin-Seite.

Wir wollen unterhalten und informieren.

Viel Spaß

Mit ChatGPT nach Rom: Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt

Mit ChatGPT nach Rom: Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt

Vom Gastautor Daniel haben wir einen Bericht zugesandt bekommen, der uns als Reisefreaks besonders interessiert. Die Planung eines Kurztrips nach Rom mit dem KI-Tool ChatGPT. Da sind wir doch sehr neugierig, ob es funktioniert hat. Hier ist sein Report:

_____

Letztes Frühjahr habe ich mich entschieden, eine Reise nach Rom mit ChatGPT zu planen. Nicht, weil ich besonders überzeugt war, dass das funktioniert, sondern aus Neugier. Ich betreibe seit Anfang des Jahres einen Blog über KI für Einsteiger und wollte einmal selbst ausprobieren, was passiert, wenn ich diese Werkzeuge in einer ganz konkreten Alltagsaufgabe einsetze – von der Frage, wann genau ich fahre, über Pässe und Tickets bis zu der Frage, in welchem Restaurant ich abends sitze.

Mit ChatGPT nach Rom Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt, der Trevibrunnen

Was ich versprechen kann: Hier kommt kein Lobgesang. Manche Ergebnisse haben mich überrascht, andere waren erwartbar mittelmäßig, und an einer Stelle hat ChatGPT auf ganzer Linie versagt. Genau deshalb ist der Bericht aus meiner Sicht überhaupt interessant.

Wo ChatGPT die Reise wirklich vorangebracht hat

Die Tagesplanung – ein guter Stadtführer mit Karte im Kopf

Mein erster ernsthafter Test war die Tagesplanung. Ich wollte wissen, wie ich vier oder fünf Tage in Rom so aufteile, dass ich nicht jeden Mittag eine halbe Stunde durch die Stadt laufe, nur um vom Petersdom zum Kolosseum zu kommen. Ich habe ChatGPT zunächst die Rahmenbedingungen geklärt:

„Wann ist die beste Zeit im nächsten Frühjahr, wenn ich die Schulferien in Baden-Württemberg vermeiden will?“

Die Antwort kam zügig: Osterferien meiden, Pfingstferien meiden, ideal sei der Zeitraum nach Ostern bis Mitte Mai. Soweit nichts, was ich nicht auch über eine schnelle Suche herausgefunden hätte. Spannend wurde es danach:

„Dann planen wir im April. Wie viele Nächte sind sinnvoll? Und welche Wochentage sollen dabei sein?“

ChatGPT empfahl vier bis fünf Nächte, Mittwoch bis Sonntag. Begründung: weniger Touristen unter der Woche, am Mittwoch finde im Vatikan eine Generalaudienz statt, falls einen das interessiere. Diese Mischung aus logistischem Argument und kulturellem Kontext hätte mir kein Bekannter spontan so geliefert.

Anschließend habe ich die Tage thematisch geclustert: Vatikan-Tag, Antike-Tag (Kolosseum, Forum, Palatin), Spanische Treppe und Villa Borghese, ein Reservetag für Tivoli oder einfach zum Schlendern. Die KI hat das geografisch sinnvoll sortiert. Stadtteile, Wege und ungefähre Öffnungszeiten saßen. Eine Einschränkung muss man kennen: Die Datenbasis ist nicht tagesaktuell. Also habe ich vor jeder Buchung kurz auf den offiziellen Seiten nachgeprüft – etwa beim Kolosseum, wo sich Slot-Tickets und Aufpreise gerne ändern.

Mit ChatGPT nach Rom Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt, das Kolusseum von außen

Rom-Pässe vergleichen – der nüchterne Rechner

Roma Pass, Omnia Vatican & Rome Card, Turbopass Rom City Pass – wer kurz vor Buchung steht, weiß, dass diese Pässe verwirrend sind. Manche enthalten den ÖPNV, manche nicht. Manche schließen den Vatikan ein, manche nicht. Manche sind 48, manche 72 Stunden gültig. Ich habe ChatGPT die wichtigsten Punkte aufgelistet, mein Reiseprofil grob beschrieben (Vatikan ja, Kolosseum ja, ÖPNV in Maßen, drei volle Tage Sightseeing) und gefragt:

„Welcher Pass lohnt sich für dieses Profil am ehesten? Bitte mit Rechnung.“

Die KI rechnete tatsächlich vor: Für mein Profil sei der Turbopass Rom City Pass für drei Tage ein passender Kompromiss, weil er Kolosseum und Vatikanische Museen kombiniert und der Vatikan-Eintritt einzeln teuer ist. Die Begründung war sauber, die Zahlen hat sie offengelegt. Ich habe nachgerechnet – und die Rechnung ging auf. Bei rund 150 Euro pro Pass war ich gegenüber Einzeltickets nicht teurer dran, dazu fielen die Wartezeiten an Kolosseum und Vatikanischen Museen weg. Ohne den Vergleich hätte ich vermutlich den falschen Pass gekauft, schlicht weil Roma Pass und Omnia Card auf den ersten Blick prominenter wirken.

Mit ChatGPT nach Rom Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt, die Engelsburg

Hier liegt aus meiner Sicht eine echte Stärke: KI ist kein hellseherischer Reiseberater, aber sie ist ein nüchterner Vergleichsrechner, der drei Pässe in zwei Minuten nebeneinanderstellt. Ohne Werbung, ohne Provisionsinteresse.

Restaurants abseits der Touristenrouten

Mein dritter Test war ein etwas riskanter. Pauschal nach guten Restaurants in Rom zu fragen, ist sinnlos – das gibt jede Reiseseite her. Ich habe deshalb präziser gefragt:

„Ich suche zwei Trattorien in Trastevere, in denen mehr Römer als Touristen sitzen, klassisch römische Küche, mittleres Preisniveau, ohne Reservierungsstress.“

Was ich zurückbekam, war eine kurze Liste mit drei Lokalen, jeweils mit Begründung, warum ChatGPT sie für meinen Wunsch passend hielt. Eines davon, eine kleine Trattoria in einer Seitengasse, habe ich tatsächlich besucht. Es war voll mit Einheimischen, die Carbonara solide, der Hauswein erträglich, die Rechnung verschmerzbar. Ein Treffer also.

Mit ChatGPT nach Rom Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt, Essen

Wichtig zu wissen: Tagesaktuelle Bewertungen oder Öffnungszeiten kennt ChatGPT nicht zuverlässig. Die Charakterisierung „kleine Trattoria am Ende einer Seitengasse, alteingesessen, klassisch römisch" ist gut. Ob die Trattoria heute noch existiert oder unter neuer Führung steht, das musst du selbst nachprüfen, am besten kurz auf Maps oder Google.

Andere kleinere Aufgaben habe ich nebenbei mitlaufen lassen: eine Packliste (solide, aber wenig überraschend), eine grobe Budgetabschätzung (mehr Orientierung als Realität, da keine Live-Preise) und eine klassische Sehenswürdigkeitenliste (ordentlich, austauschbar). Nichts, was den Tag rettet, aber auch nichts, was schadet.

Wo ChatGPT klar an Grenzen stößt

Flüge buchen – Fehlanzeige

ChatGPT kennt keine Live-Preise. Punkt. Wer einen Flug nach Rom sucht, bekommt Allgemeinplätze: „Schau bei Google Flights, Skyscanner oder direkt bei der Airline." Genauso gut hätte ich meinen Nachbarn fragen können. Die KI kann dir Saisonalität erklären (Mai teurer als November), sie kann dir Hinweise zu Buchungsfenstern geben, aber konkrete Verfügbarkeiten oder Preise – fehlen schlicht.

Mein Fazit: Für Flüge ist ChatGPT in dieser Form kein Ersatz für ein Buchungsportal. Das wird sich mit den neuen, direkt angebundenen Reise-Tools voraussichtlich verschieben. Stand heute aber: Buchen wirst du anderswo.

Hotels finden – ein Halbsieg

Beim Hotel war ChatGPT immerhin ein guter Stadtteil-Berater. Trastevere abends lebendig, morgens ruhig, viele kleine Restaurants. Monti zentral, gut für Antike-Fans, mit Bar-Szene. Prati ruhig, Vatikan-nah, kein Touristen-Trubel am Abend. Diese Charakterisierungen waren wertvoll, weil sie mir geholfen haben, überhaupt zu wissen, in welchem Viertel ich suchen will. Aber: Konkrete Hotels mit Preis und Verfügbarkeit kann ChatGPT nicht. Die Vorgehensweise, die für mich gut funktioniert hat: KI für Lage und Charakter des Viertels, dann Booking oder ein Hotelportal für die eigentliche Buchung. Beides hat seine Stärken, beides ergänzt sich.

Das Heilige Jahr 2025 – worauf mich niemand hingewiesen hat

Eine Sache habe ich erst vor Ort gemerkt: 2025 ist in Rom Heiliges Jahr. Das katholische Jubiläum wird alle 25 Jahre ausgerufen, in den großen päpstlichen Basiliken werden eigens die Heiligen Pforten geöffnet, und über das Jahr verteilt zieht das mehrere Millionen Pilger zusätzlich in die Stadt. Das spürt man – an längeren Schlangen, an höheren Hotelpreisen, an der Atmosphäre rund um den Vatikan.

Mit ChatGPT nach Rom Was eine KI als Reiseplaner taugt – und wo sie versagt, Vatikan von innen

ChatGPT hatte mich darauf nicht hingewiesen. Rückblickend wäre dieser Kontext für die Planung wertvoll gewesen, weil ich Vatikan-Tickets noch früher gebucht und vermutlich einen anderen Reisezeitraum erwogen hätte. Es ist ein typischer blinder Fleck: Wer nicht ausdrücklich nach Großereignissen im Reisezeitraum fragt, bekommt den Hinweis nicht. Lehre für mich: Vor jeder Reise einmal explizit fragen, ob am Zielort besondere Ereignisse anstehen – Jubiläen, Festivals, große Sportereignisse, Wahlen. Eine Frage, drei Sekunden Aufwand, potenziell viel Ärger gespart.

Vor Ort – die Sprach-Hilfe, die ich nicht erwartet hatte

Während der Reise habe ich ChatGPT noch einmal anders genutzt – als Sprach-Coach. Ich kann genug Italienisch, um in einem Café einen Espresso zu bestellen, aber ich wollte es höflicher hinbekommen. Vor der Abreise habe ich mir die wichtigsten Phrasen geben lassen: Bestellen, sich entschuldigen, nach dem Weg fragen, höflich um die Rechnung bitten. Solide, kompakt, brauchbar.

Spannender wurde es bei der Speisekarte. Eine Übersetzungs-App liefert dir „Trippa alla Romana" als „römische Kutteln" – technisch korrekt, kulinarisch nichtssagend. ChatGPT konnte mir erklären, was genau das ist, wie es schmeckt und warum man es entweder liebt oder lieber lässt. Es ist diese Schicht zwischen Wort und Bedeutung, in der die Übersetzungs-Apps an die Wand laufen und ein Sprachmodell weiterhilft.

Eine kleine Szene blieb hängen: Ich saß in Trastevere, der Kellner schlug „Coda alla Vaccinara" vor, ich hatte keine Idee. Handy aus der Tasche, kurz gefragt: ein Schmorgericht mit Ochsenschwanz, traditionell, sehr römisch. Habe ich genommen. Es war hervorragend.

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde

Drei Sachen für den nächsten Trip.

Ich würde früher mit der Tagesplanung anfangen und ChatGPT die Geografie als Erstes klären lassen, bevor ich Hotels buche. Ein Hotel in Prati klingt gut, bis du merkst, dass dein Antike-Tag dadurch jeden Morgen mit einer halben Stunde Bus beginnt.

Ich würde Pässe und Tickets weiterhin mit der KI vergleichen, aber Buchung und tagesaktuelle Verfügbarkeit in Buchungsportalen erledigen. Das ist Arbeitsteilung, kein Widerspruch.

Und ich würde die Sprach-Hilfe vor Ort früher einsetzen. Sie ist die unauffällige Stärke, die ich auf der Hinreise unterschätzt habe.

Wenn du selbst noch nichts mit ChatGPT gemacht hast und überlegst, ob du es einmal ausprobierst: Eine Reiseplanung ist ein guter Anlass, weil das Ergebnis für dich nachprüfbar ist. Auf meinem Blog habe ich die Methode dahinter systematisch aufgeschrieben – mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, Prompt-Vorlagen zum Kopieren und einer Übersicht, wo KI bei Reisen an ihre Grenzen stößt: Reiseplanung mit KI. Aber für den Moment reicht: Probier es aus, sei skeptisch bei allem, was nach harten Daten klingt, und nimm das mit, was sich als nützlich erweist. Mehr braucht es nicht.

Berlin-Amsterdam -  1000 Kilometer mit dem Rad

Berlin-Amsterdam - 1000 Kilometer mit dem Rad

Wenn sich innen etwas bewegt – und draußen alles anders wirkt

Wenn sich innen etwas bewegt – und draußen alles anders wirkt