Hallo

DSCF2003.JPG

Herzlich willkommen auf unserer Magazin-Seite.

Wir wollen unterhalten und informieren.

Viel Spaß

Gärten der Welt

Gärten der Welt

Die Welt bereisen: Gärten der Welt

„Tok, Tok, Tok!“ Die Gondel rattert über die Rollen des Stützpfeilers. „Flopp!“ Die automatische Gondeltür öffnet sich, wir steigen ebenerdig in die langsam vorwärts gleitende Seilbahn ein, der Boden rappelt etwas gegen die Plattform bis sich die Tür mit einem deutlichen „Flapp“ wieder schließt. Die Skistiefel knirschen auf dem Alu-Boden, als der Lift Fahrt aufnimmt und uns zur Almhöhe bringt. Ich schließe die Augen, schmecke den frisch gefallenen Schnee und freue mich aufs Schifoan! „Hey, wovon träumst du?“, weckt mich Martin.

Gärten der Welt Gondeleinstieg.jpg

Der Schneegeschmack weicht Nieselregenaroma und die Eiszapfen an der Kogelalm werden zum regenfeuchten Geländer der Aussichtsplattform Wolkenhain. Wir sind in Marzahn und gondeln auf den Kienberg mit 102,2 Meter Höhe über Normalnull. 102,2 Meter! Bei dieser Höhe kommt es wahrscheinlich doch auf die 20cm nach dem Komma an. Wir steigen auf der Mittelstation aus und blicken vom Aussichtgerüst zu den Hochhausbauten des Bezirks. Der Wind stürmt, als wolle der Hügel uns den 3000er vorgaukeln.

Gärten der Welt Blick vom Kienberg.jpg

Schnell wieder hinein in die windgeschützte Seilkapsel und auf der anderen Seite des Kienbergmassivs hinunter zu den Gärten der Welt. Die Fahrt über die eineinhalb Kilometer Seilbahnstrecke macht Spaß, wir freuen uns auf die Rückfahrt. Aber jetzt heißt es erstmal hinein in die Gärten der Welt. Und wie zum Beweis „Wir können zwar nicht Berge, dafür aber Meer!“ umspült uns ein wogender Ozean aus farbexplodierenden Dahlien.

Gärten der Welt Dahlien.jpg

Die Gärten der Welt bieten jedoch weit mehr als Pflanzattraktionen und Blumenmeer. Schon am Eingang verzaubern uns die Internationalen Gartenkabinette mit ihrer Kombination aus pointierter Kunst mit landestypischem Ambiente. So zeigt das südafrikanische Kabinett einen symbolisierten Schiffsrumpf mit eingehängten Blumenkübeln. Eine Tafel informiert uns über die Idee, das Überschreiten von Grenzen, das Geben und Teilen zu versinnbildlichen. Das Mitbringsel ist ein „Blumenstrauß“ aus afrikanischen Pflanzen, deren Duft uns an unsere Rundreise durch Südafrika erinnert. Wer Lust hat, kann mitkommen auf eine 90 Sekunden Rundreise.

Gärten der Welt Kabinett Südafrika.jpg

Mit wenigen Schritten wechseln wir den Kontinent und tauchen in die Welt Chinas ein. Ein brunnengleicher Wasserlauf plätschert über geschliffene Marmorsteine und schickt uns weit weg aus dem Grau Berlins. Ein gewaltiger Tunnel aus riesigen Bambusgewächsen führt uns in das Kabinett und schirmt den Ort der entspannten Ruhe von den Stadtgeräuschen ab.

Gärten der Welt Kabinett China.jpg

Für den nächsten Kontinentalsprung bedarf es wiederum nur ein paar Schritte. Australien steht unter dem Thema „Vom Feuer kultiviert“. Klar, wir erinnern uns doch noch alle an die verheerenden Brände in diesem Jahr. Aber auf diesem Kontinent bedeutet Feuer nicht nur Vernichtung. Die Aborigines nutzen es auch als Instrument der Bodenkultivierung. Auf unserer Reise durch Australien wird sichtbar, die Natur hat sich mit diesen natürlichen und menschengemachten Feuersbrünsten recht gut eingerichtet. Hier in den Gärten der Welt steht die schöpferische Kraft des Feuers im Mittelpunkt und bietet uns ein Fotomotiv zwischen den verkohlten Stämmen.

Gärten der Welt Kabinett Australien.jpg

Wir schlendern durch alle neun Kabinette, die hier zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017 entworfen wurden und stimmen überein: Eigentlich wollten wir einen grad60-Bericht über die Seilbahn schreiben und sind jetzt von dieser Gartenkunst überwältigt. Allein diese Schmuckstücke rechtfertigen schon einen Besuch der Gärten der Welt, obwohl sie nur einen winzigen Bruchteil des Landschaftsparks ausmachen. Wir beugen uns zur Orientierung über den Plan. Wo geht das besser als im Café bei Kuchen und Cappuccino? Ihr wisst ja, ich liebe Süßkram und Martin muss ich auch nicht sonderlich überreden.

Gärten der Welt Cafe.jpg

Die Walnusstorte liefert die Energie für die große Runde und führt zunächst in die italienische Renaissance nach dem Vorbild der antiken römischen Gärten. Und ganz ehrlich, als ich den sprudelnden Brunnen umrunde und die wasserspeiende Tonkopfskulptur mit Weinranken entdecke, streichelt mir die Sonne der Toskana das Nackenhaar. Die beschnittenen Hecken, das spritzende Wasser und die Citruskübelpflanzen lassen aber nicht nur Bilder aus Florenz aufsteigen, sie erinnern mich auch an Kleinausgaben vom Schloss Charlottenburg oder an Potsdams Sanssouci.

Gärten der Welt Renaissance-Garten.jpg
Gärten der Welt Brunnen.jpg

Die Gärten der Welt faszinieren durch, logisch, die verschiedenen Gärten der Welt. So ist es nur einen Katzensprung oder besser gesagt, einen Kamelschritt zum Orientalischen Garten. Wir binden unsere Wüstenschiffe am Arkadenpfeiler fest und schreiten in den von vier Meter hohen Mauern umgebenen Gartenhof. Aufgereihte elegante Wasserbögen speien plätschernd ihr Nass in die Zierbecken.

Gärten der Welt Brunnen im Orientalischen Garten.jpg

Der islamische Garten ist nach den Koransuren gestalteten und ich sehe uns im langen weißen arabischen Kaftan über die farbenfrohen Mosaike schreiten. Wenn ihr euch das Foto anschaut, findet ihr nicht auch, Martin könnte statt Basecap eine Kufiya tragen?

Gärten der Welt Arkaden im Orientalischen Garten.jpg

Ach, wenn es die Welt doch auch so sehen würde: Unmittelbar daneben liegt friedlich der Koreanischen Garten mit anderen Glaubensrichtungen. Auf der Erklärtafel erfahren wir: Der volkstümliche schamanische Glaube mit seiner Naturhaftigkeit, der Buddhismus in den fließenden Übergängen und der verschlungenen Wegführung sowie die Lehren des Konfuzius mit seiner klaren räumlichen Gliederung bilden die Grundlagen dieses Gartens. Ja, der alte Konfuzius. So schöne Weisheiten gibt es von ihm:

„Wer einen Fehler macht und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten“.

„Sage es mir, und ich vergesse es. Zeige es mir, und ich erinnere mich. Lass es mich tun, und ich behalte es.“

„Der wahrhaft Edle predigt nicht, was er tut, bevor er nicht getan hat, was er predigt.“

Logisch, dass Martin ihm gerne nacheifert.

Gärten der Welt Konfuzius.jpg

Und endlich meint es auch der Wettergott gut mit uns. Die Nieselwolken verpieseln sich und erste Sonnenstrahlen bringen die roten Ziersträucher zum Glühen und verzaubern uns mit dem „Haus der einsamen Freude“ im 2006 eröffneten Garten, der Berlin von der Stadt Seoul geschenkt wurde.

Gärten der Welt Koreanischer Garten.jpg

Wenn sich eine Anlage „Garten des zusammenfließenden Wassers“ nennt, dann kann er nur in Japan sein, erst recht bei dem Thema „In der Verschmelzung Harmonie finden!“ So ganz will uns diese spiritistische Einstellung nicht gelingen. Insbesondere nicht bei dem in Musterform geharkten Kiesel-Trockenfeld. Ich habe das starke Bedürfnis, einmal quer die eigenen Schuhabdrücke auf den Kiesrillen zu hinterlassen. Und offensichtlich bin ich damit nicht allein: „Na, traust du dich?“, fragt eine Frau lachend ihre Begleiterin.

Gärten der Welt Trockengarten Japan.jpg

Natürlich bleibt das nur ein Spaß, denn dieser harmonische Garten soll unsere Nachfolger auch noch erfreuen. Ohnehin ist auffällig, wie gepflegt die gesamte Anlage der Gärten der Welt ist. Sauber, ordentlich und anmutig in jeder Ecke. Wir freuen uns, hier eher zufällig so etwas Schönes zu sehen und es zeigt sich einmal mehr: Raus aus der Bude und mit offenen Augen die Welt entdecken. So wie das Motto von unserem Blog: „Jetzt haben wir Zeit für uns!“ Und dazu gehört die Muße, den Blick über den Teich schweifen zu lassen und die riesig-fetten Karpfen beim Grundeln zu beobachten.

Gärten der Welt Teich.jpg

Bei den ganzen Glaubensrichtungen wollen wir natürlich nicht den europäischen Kulturkreis vergessen und im symbolisierten klösterlichen Kreuzgang das Christentum besuchen. Martin entziffert die aus goldenen Buchstaben bestehenden „Wände“ mit Texten aus dem alten und neuen Testament.

Gärten der Welt Christlicher Garten.jpg

Bei so viel Erbauung dürstet es uns schließlich nach einem Bier. Selbstverständlich soll es in den Gärten der Welt kein Berliner Kindl sein und was passt da im Chinesischen Garten besser als ein aus Reis gebrautes „Tsingtao“. Nach einem kräftigen Schluck bemerkt Martin: „Nicht gerade nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut, aber es schmeckt!“

Gärten der Welt Tsingtao im Chinesischen Garten.jpg

Mit einem „Was für ein schöner Tag, man kann die Zeit vergessen“ fällt uns die Betriebszeit der Gondel zur Rückfahrt ein. Ein flüchtiger Blick auf den Plan gibt uns noch gute 30 Minuten Zeit für einen genüsslichen Sonnenblick auf den „Himmelspiegel“, den 4.500qm Teich, der seinem Namen alle Ehre macht.

Gärten der Welt Wasserpagode Chinesischer Garten.jpg

Noch ein paar Fotos und dann geht’s aber wirklich los, damit wir nicht zu spät kommen. Pfeiler, Seile und Gondeln strahlen in der Abendsonne über dem Grün der Gärten der Welt. Aber etwas stimmt nicht. „Die steh’n, is‘ da was kaputt?“ Ein genauerer und jetzt mal konzentrierter Blick in die richtige Zeile vom Fahrplan klärt uns auf: Betriebsschluss!

Gärten der Welt Seilbahn über den Kienberg.jpg

Das heißt für uns, noch einmal 1,5 km Wanderung hinten ranzuhängen, denn Martin muss zum Auto und ich zur U-Bahn. Aber gar kein Problem, denn gemäß unserem Motto: „Wir haben ja Zeit!“ und “Der Weg ist das Ziel”, wie schon Konfuzius festgestellt hat, sind wir wie so oft guter Dinge und lassen uns nicht die gute Laune verderben. Auf dem Weg zurück erzählt Martin noch von seinem Besuch im Park der Gärten in Ostfriesland, den er im Rahmen seiner Radtour durch dieses flache Land besucht hat. Auch das war ein sehr schönes Stück Landschaftsarchitektur, wie er schwärmt. Und wir sind uns einig, dieser Ausflug in die Gärten der Welt hat sich gelohnt.

Zum Schluss der obligatorische Hinweis: Der Artikel wurde ohne Bezahlung, Vergünstigung oder Beeinflussung geschrieben. Weitere Informationen zu diesem Thema findet ihr auf unserer Seite Transparenz.

Kommentare:

Petra: Wieder ein sehr schöner Bericht! Grüße von Petra

Thomas Neuendorf: Vielen Dank und weiterhin viel Spaß am Lesen der Beiträge!

Tschüss Tegel

Tschüss Tegel

Gauklerfest

Gauklerfest