Genießen statt anstrengen - E-Bike-Test
Ein Fahrrad ist ein Versprechen von Freiheit. Zwei Räder, ein Lenker, Muskelkraft – und plötzlich wird die Welt größer. Die hölzerne „Laufmaschine“ des Karl Freiherr von Drais legte einst den Grundstein für dieses Versprechen. Sie hatte einen Lenker, zwei Räder und eröffnete zum ersten Mal die Möglichkeit, mit eigener Kraft Entfernungen zu überwinden. Die Unmittelbarkeit dieser Verbindung zwischen Wille und Bewegung war sofort erkennbar. Die Entwicklung zu dem, was wir heute unter einem Fahrrad verstehen, war nicht mehr aufzuhalten. Schon die Jüngsten düsen fasziniert durch die Gegend. Und wir Erwachsenen machen es ihnen nach. Immer mehr Menschen genießen dieses Versprechen von Freiheit.
Doch verändert ein E-Bike diese Beziehung? Stellt es das Fahrrad an sich infrage? Nein. Aber vielleicht verändert es unsere Vorstellung davon, was es bedeutet, sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Ein herkömmliches Fahrrad ist ehrlich, unmittelbar – und manchmal unerbittlich. Der Berg verlangt Kraft. Der Gegenwind verlangt Kraft. Und wer weiterkommen will, muss treten. Aber was ist im Gegensatz dazu ein E-Bike? Genau das wollen wir herausfinden. Die Firma B.W. Vertrieb GmbH hat uns zwei völlig unterschiedliche Fahrräder mit elektrischem Antrieb zur Verfügung gestellt. Wir werden sie unter verschiedenen Bedingungen testen – ehrlich, neugierig und ohne Kompromisse.
Zwei Räder – zwei Konzepte
Das in Bulgarien hergestellte Eonic One Comfort Limited kommt als mattschwarze Schönheit daher und begeistert mich sofort. Hier sind die technischen Daten:
Rahmen: 19 Zoll / 48 cm
Reifen: 28 Zoll
Bafang Heckmotor: 45 Nm / 250 W
Akku: 36 V / 10 Ah / 360 Wh
Reichweite: bis zu 85 km
Gabel: starr
Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen Shimano
Schaltung: 9-fach
Gewicht: 22 kg
Das MATE Fusion Silver Comet ist ein dänisches Faltrad und versetzt Thomas genauso schnell in einen mittelschweren Glückszustand wie mich. Die technischen Eckdaten sind folgende:
Rahmen: 15 Zoll / 38 cm faltbar
Reifen: 20 Zoll
Bafang Heckmotor: 45 Nm / 250 W
Akku: 36 V / 13 Ah / 468 Wh
Reichweite: bis zu 80 km
Gabel: luftgefedert
Bremsen: Hydraulische Scheibenbremsen Tektro
Schaltung: 9-fach
Gewicht: 23,5 kg
Wollen wir die Welt bezwingen – oder wollen wir sie erfahren?
Der Berg ist ein Berg. Der Gegenwind ist ein Gegenwind. Wer weiterkommen will, muss treten. Das Fahrrad verhandelt nicht mit seinem Fahrer. Die Hügel im Tegeler Forst kenne ich. Sie sind zwar kurz, aber heftig. Auf meiner Mauerweg-Rad-Tour musste ich immer mal wieder ordentlich schnaufen. Mit dem E-Bike ist das völlig anders. Dieses Fahrrad ist smart. Etwas mehr Druck auf die Pedale – und es geht erstaunlich mühelos bergan. Der elektrische Antrieb relativiert die Anstrengung.
Der Berg ist zwar derselbe, seine Steigung aber jetzt völlig belanglos. Woher der Wind kommt, ist mir auch schnuppe. Beide haben ihre Macht mehr über mich verloren. Alles wird glattgebügelt, alles ist easy going. Technik ist zwischen Mensch und Welt getreten, als große Zauberin, als Verführerin, aber auch als Vermittlerin. Ich bin auf der happy E-Bike-Wolke. Alles wird gut und ist schön. Ich radle so vor mich hin und staune über Thomas. Er vergnügt sich mit dem MATE-Bike. Immer wieder dreht er eine Extrarunde, fährt vor, lässt sich zurückfallen, um dann wie ein Irrer an mir vorbeizubrausen. Was macht der denn jetzt? Er ist mir ein wenig unheimlich.
Plötzlich haben wir Zeit
Wir haben Spaß, und zwar deutlich mehr als auf unseren anderen Touren, bei denen an Smalltalk während des Radelns oftmals nicht zu denken war. Luftnot lässt Worte im Hals stecken bleiben, Anstrengungen vermiesen den Genuss. Irgendwie wird das Hirn ständig mit der Hoffnung durchwabbert, dass doch bitte alles möglichst bald vorbei sei. Mit E-Bikes kommen solche Gedanken erst gar nicht auf. Wir sind in der Lage, den Blick zu heben. Wir erleben Landschaft, Wetter, Geschwindigkeit und Entfernung viel besser, als wenn uns die Zunge am Oberschenkel hängen würde und der hochrote Kopf zu platzen drohte. Wo uns das Fahrrad sonst fordert, ermöglicht uns das E-Bike Genuss. Und plötzlich haben wir Zeit. Zeit zum Reden. Zeit zum Schauen. Zeit für die Landschaft. Vielleicht ist genau das der größte Unterschied.
Falten, tragen, einpacken
Das MATE-Faltrad soll nun auf seine Transportfähigkeit getestet werden. Die Handhabung ist simpel und auch ohne Anleitung schnell zu verstehen. Sicherungshebel, Lenker, Pedale – ein paar Handgriffe, und aus dem Fahrrad wird ein erstaunlich kompaktes Paket.
Aber bekommen wir das dänische Designrad mit Wow-Effekt auch in den Kofferraum? Fast 24 Kilo wollen erst einmal angehoben werden. Ganz leicht ist das nicht. Der richtige Griff an der richtigen Stelle – und plötzlich geht es erstaunlich easy. Schwuppdiwupp ist es drin. Das ist stark.
E-Bike und Bahn – geht das zusammen?
Ein vollgefedertes E-Bike mit breiten Reifen ist komfortabel. Zweifelsohne. Aber ist es das auch beim Fahren mit dem Zug? Das probieren wir ebenfalls aus. Wir fahren zum Bahnhof und Thomas faltet das MATE zusammen. Die Handgriffe sitzen. Es dauert nur wenige Sekunden. Der Regionalzug kommt. Die Türen öffnen sich. Thomas steigt ein.
Auch hier fordern die knapp 24 Kilo ein wenig Fitness. Es funktioniert gut. Der Transport scheint wenig belastend und ist es offenbar auch. Thomas wirkt entspannt. Er nimmt den Dänen mit nach Hause, um ihn dort noch einmal in der täglichen Routine zu testen. Ich fahre mit dem Eonic One Comfort Limited zurück zum Haus. Dabei möchte ich mir einige Details des E-Bikes genauer ansehen. Der Bafang-Motor sitzt im Hinterrad, der Akku ist unauffällig im Mittelrahmen verstaut und lässt sich nur mit einem Schlüssel herausnehmen. Wer nicht genau hinsieht, wird kaum erkennen, dass hier ein E-Bike vor ihm steht.
Fahrrad oder E-Bike – was wollen wir eigentlich? Welche Vorteile bietet ein E-Bike?
Wir resümieren. Beide Räder sind komfortabel, sprechen sehr gut an, sind leicht zu handeln, ordentlich verarbeitet und sehen gut aus. Mit anderen Worten: praktisch, stabil, solide und stylisch. Das Eonic One Comfort Limited kostet derzeit rund 1.000 Euro, das MATE Fusion Silver Comet knapp 2.000 Euro. Das ist ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Beide sind uneingeschränkt zu empfehlen.
Aber, die entscheidene Frage ist doch: Wo liegt die Wahrheit in der Entscheidung zwischen herkömmlichem Fahrrad und E-Bike? Suche ich ein Sportgerät? Oder möchte ich einfach und entspannt ankommen? Wie schwer wiegt die Bedeutung des Unterwegsseins ohne Anstrengung? Wollen wir die Welt bezwingen – oder wollen wir sie erfahren? Darf man die Tatsache, dass zwischen einem Fahrrad pur und einem E-Bike Welten liegen, zu einem Vergleich zweier unterschiedlicher Vorstellungen vom Leben hochstilisieren? Vielleicht. Das herkömmliche Fahrrad erinnert uns daran, dass Widerstand einen Wert besitzen kann. Dass Müdigkeit nicht immer ein Feind ist. Dass ein Gipfel anders aussieht, wenn man ihn mit eigener Muskelkraft erreicht hat. Das E-Bike erinnert uns dagegen daran, dass Fortschritt nicht zwangsläufig bedeutet, etwas zu verlieren. Manchmal bedeutet Fortschritt schlicht, dass ein Weg auch dann noch offensteht, wenn die eigenen Kräfte geringer werden, die Strecke länger ist oder der Gegenwind stärker. Vielleicht ist es ja gar kein Entweder-Oder? Das E-Bike nimmt uns einen Teil der Anstrengung ab. Aber vielleicht gibt es uns dafür etwas anderes zurück: Zeit, Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, die Welt um sich herum intensiver wahrzunehmen. Es scheint uns deshalb am Ende eher ein philosophisches Problem als ein tatsächliches zu sein.
Und ganz praktisch? Das sind die Vorteile vom E-Bike!
Den Alltag leichter machen, das kann so ein E-Bike auf jeden Fall. Es zum Beispiel statt eines Autos nutzen, Parkplatzsuche und Stau vermeiden, Benzin sparen, gut zur Umwelt sein. In die Satteltaschen passt Einiges rein und wenn es nicht gerade der Kasten Bier ist, funktioniert der Einkauf mit einem E-Bike gut.
Wir danken der Firma B.W. Vertrieb GmbH dafür, dass sie uns die beiden Testräder zur Verfügung gestellt hat. Wir sind wirklich begeistert. Ob wir dauerhaft auf E-Bikes umsteigen? Schwer zu sagen. Vielleicht? Wer weiß?
Noch ein Wort zum Bestellprozess
Etwas Besonderes ist auch das Bestellen. Mit E-Move24 können die E-Bikes online geordert und beim Händler der Wahl fahrbereit abgeholt werden. Die professionelle Endmontage, die technische Prüfung und die Einweisung ins Handling sind garantiert und er bleibt auch für alles Weitere zuständig. Ich habe mal den Bestellprozess durchgespielt; es hat sehr gut funktioniert.
Als Ergänzung hier noch ein Tip zum Thema Zubehör & Ersatzteile. Unter shop.bwidee.de findet man alles Notwendige. Auch zum Beispiel für das Eonic E-Bike einen gekröpften Lenker zum Nachrüsten oder einen höhenverstellbarer Lenkervorbau.
Und jetzt: bewegte Bilder
Für den Gesamteindruck haben wir hier noch ein kleines Video beigefügt; schaut doch mal rein.
Transparenz
Dieser Artikel ist am Anfang mit dem Hinweis „Werbung unbeauftragt“ gekennzeichnet, weil wir aus freien Stücken, ohne Auftrag und ohne Bezahlung, diese beiden E-Bikes getestet haben. Nach rund vier Wochen Nutzungsdauer haben wir die Fahrräder wieder zurückgegeben. Der einzige Vorteil für uns bestand in dem Vergnügen, für einige Zeit E-Bikes ausprobieren zu können. Weitere Hinweise sind unter „Transparenz“ nachzulesen.


