Split – ein Reisebericht
Kaiser Diokletian tat etwas, das für einen Herrscher eigentlich verboten ist: Er ging einfach in Rente. Kein Gift, keine Intrige, keine Pest - nur der Wunsch nach Ruhe. Und weil ein Kaiser nicht einfach in den Schrebergarten zieht, ließ er sich um 300 n. Chr. einen Palast an die dalmatinische Küste setzen.
Ob er dort wirklich Kohl anbaute, ist nicht überliefert, ebenso wenig, woran er starb. Sicher ist nur: Sein Palast verwandelte sich nach seinem Tod in eine lebendige Stadt. Ein Zimmer hier angebaut, ein Lokal dort ergänzt, Werkstätten, Wohnungen, Geschäfte, ein urbaner Organismus im stetigen Wandel. Der Palast ist kein Museum, sondern Herzstück des heutigen Splits.
Früher standen die Palastmauern direkt an der Wasserkante der Adria, heute erstreckt sich zwischen Stadt und Wasser eine breite Promenade: die Riva. Der Inbegriff mediterranen Lebens: ausladende Palmen, imponierende Yachten und unzählige Restaurants unter weißen Schirmen mit Blick auf das dunkelblaue Wasser.
Und für mich am schönsten ist etwas, was nicht da ist: Autoverkehr. Die knatternden Stinkekisten sind zum Glück auch aus der Innenstadt verbannt. Mit ihren heutigen SUV-Ausmaßen hätten sie auch keine Chance in den engen Gassen.
Wer aber glaubt, Fußgänger hätten freie Bahn, irrt. Gegen 11 Uhr ergießt sich das Touristenspektakel über das glänzende Kopfsteinpflaster: Amerikanische Kreuzfahrer hinter hochgehaltenen Tafeln, europäische Audioguide-Träger und asiatische Selfie-Gruppen. Nur mit Mühe finden wir eine Lücke.
Reisebericht Split Tipp 1: Früh aufstehen, später frühstücken
Morgens um halb acht gehört die Stadt den Einheimischen und euch. Ein paar Leute mit Brötchentüten, ein Straßenkehrer, sonst freie Sicht auf Mauern, Türme und Gassen. Split ohne Gedränge ist ein Geschenk.
Der Zutritt in den Palast ist jederzeit frei. Er ist ja Stadt, kein Exponat. Auch das Peristyl, der säulengesäumte Hof vor den einstigen Privatgemächern des Kaisers, ist offen zugänglich.
Reisebericht Split Tipp 2: Eintritt nur für Spezialinteressierte
Für 18 Euro Eintritt gibt es von hier Zugang zu Mausoleum, Kathedrale und Museum. Ich fand es nicht besonders spektakulär und nach meiner Meinung lohnt es sich nur für speziell Interessierte. Einzig der im Preis enthaltene Aufstieg auf den Glockenturm bietet eine schöne Aussicht auf die Stadt.
Doch den gibt es auch kostenfrei vom direkt westlich von Split angrenzenden Marjan-Hügel. Einzige Kosten: Schweiß und Schnaufen. Doch bei 180m hält sich auch das in Grenzen.
Zwischen den Kiefernwäldern huschen flinke Eidechsen durch die mediterranen Sträucher, in denen sich kaum auszumachende Vögel verbergen. Fast an der Spitze duckt sich die Felsenkirche des Heiligen Hieronymus aus dem 15. Jahrhundert in den Fels.
Um nicht völlig durchgeschwitzt und stinkend in die Stadt zurückzukehren, legen wir einen Stopp am Kasjuni Beach ein. Ich Schlauberger habe meine Badeschuhe im Appartement gelassen und muss barfuß über pieksende Kiesel und Steine ins Wasser steigen. Herrlich blau, im ersten Moment etwas frisch, aber herrlich.
Reisebericht Split - Krka-Nationalpark – teuer, aber überwältigend
Weit eindrucksvoller als der Marjan Hügel lockt der Krka-Nationalpark die Besucher zu seinen spektakulären Wasserfällen inmitten sattgrüner Wälder. Wir wollen das Naturschutzgebiet auf eigene Faust erkunden und nutzen daher die Flixbus-Verbindung von Split nach Skradin, dem Dorf am Eingang des Parks. Eine nicht ganz billige Idee. Die Busfahrt kostet hin- und zurück mindestens 25 Euro pro Person, dazu dann 40 Euro Eintritt in den Park. Vermutlich wäre ein Touranbieter wie GetYourGuide günstiger. Wie auch immer, wir lassen uns das Naturerlebnis nicht vermiesen und genießen die Bootsfahrt auf dem grün-leuchtenden Krka-Fluss hinauf zu den Wasserfällen.
Früh aufgestanden genießen wir die rauschenden Wasserkaskaden fast alleine. An jeder Ecke sprudelt Wasser über die Kalkvorsprünge. Mal groß und schäumend, mal glucksend versteckt, aber immer spektakulär.
Begeistert gehen wir den eineinhalb-stündigen Rundweg ein zweites Mal. Soll sich ja lohnen. Der Eintrittspreis in den Nationalpark variiert stark nach der Saison. Ab Oktober halbiert sich der Preis. Schön bleibt es für alle.
Reisebericht Split Tipp 3: Trogir als Alternative zu Split
Wie wäre die historische Stadt Trogir als alternatives Quartier? Sie bietet einige Vorteile: Zum Flughafen braucht es nur wenige Busminuten und der Lärm der anfliegenden Maschinen ist erträglich.
Die Stadt wirkt wie die kleine, etwas beschaulichere Variante von Split. Altstadt, Hafen, Gassen, alles da. Natürlich auch nicht leer, aber nicht ganz so geschäftig. Für 2,50 Euro erreicht man Split in 70 Minuten mit der öffentlichen Linie, schneller mit Fernbussen. Eine echte Option.
Aber wir bleiben in Split und starten mit einer Bootstour mit Start an der Riva.
Reisebericht Split Tipp 4: Bootstour über GetYourGuide buchen
Stand neben Stand buhlt dort um die Gunst der Ausflügler. Die Angebote ähneln sich und beinhalten mehrere Insel-Stopps und ein Bad in der Blauen Lagune. Der GetYourGuide-Preis lag bei 65 Euro und damit 20 Euro günstiger als direkt beim Veranstalter.
Der Kahn ist voll, wir sitzen im Heck. Guter Platz: Blick aufs klare Wasser, Schatten vom Deck. Getränke sind inklusive: Wasser, Brause, Weißwein. Geschmacklich: na ja. Dafür überrascht der Mittags-Snack: ein ausgezeichneter Thunfischburger. Dickes, saftig gebratenes Steak im fluffigen Bun. Auch als Fleisch- oder Veggie-Variante erhältlich.
Auf den Sprung in das glasklare Wasser der Blauen Lagune mit der namensgebenden Färbung verzichten wir. Im Nachhinein unverständlich, aber die Lazy-Stimmung an Bord lässt uns nur faul aufs Wasser blinzeln. Ein Aperol-Spritz beim Inselstopp rundet den Tag ab. Die 12 Euro dafür bringen uns nicht aus der Ruhe.
An das Preisniveau in Split haben wir uns ohnehin gewöhnt. Schlucken müssen wir bei 7,20 Euro für eine Tüte Eis.
Zwar stammt die cremige Peanut-Sorte aus einer der teuersten Eisdielen, aber generell liegen die Preise über dem heimatlichen Niveau: Vegetarisches Risotto 19 Euro, Thunfischsteak 33 Euro, Nudeln mit Garnelen 24 Euro. Für Meeresfruchtfans seien die extrem zarten Squids für 28 Euro erwähnt.
Unsere Unterkunft für den einwöchigen Aufenthalt liegt optimal an der Stadtmauer des Palastes und zeigt einmal mehr, dass dieser Diokletian-Palast ein gelebtes Stück Stadt bedeutet. Über Airbnb gebucht können wir ein ruhiges Terrassen-Plätzchen genießen. Ein paar Stufen außen an der Stadtmauer hochgestiegen, durch eine Tür und schon liegt unser privates Refugium vor uns.
Split ist sicher kein Geheimtipp, doch in der Randsaison ein ideales Ziel für eine Stadtreise auf eigene Faust. Ich könnte noch von weiteren Entdeckungen und Ausflugszielen rund um Split berichten. Wie wäre es mit dem Ortsteil Varos oder einem Ausflug nach Omiš? Nach meiner Ansicht lohnt sich dort der Aufstieg zur Festung noch mehr als der Boots-Ausflug auf dem Fluss Cetina.
Egal, ob ihr Entdeckungen sucht, sportliche Herausforderungen braucht oder einfach einen Cappuccino im Palast genießen wollt: Der steht seit fast 2000 Jahren dort und wird euch auch in Zukunft begrüßen. Also einfach mal hin und die Zeit genießen.
Transparenz
Dieser Artikel ist am Anfang mit dem Hinweis „Werbung unbezahlt“ gekennzeichnet. Wir haben für unsere Tipps in diesem Reisebericht Split keine Bezahlung oder Vergünstigungen erhalten. Weitere Hinweise könnt ihr unter „Transparenz“ nachlesen.




