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Bonsai Garten in Ferch

Bonsai Garten in Ferch

180 Jahre lang wird diese japanische Schwarzkiefer bereits nach Bonsai-Art gepflegt. Das ist eine verdammt lange Zeit und sie sieht auch verdammt alt aus. Wobei Alter natürlich keine Schande ist, wir sind ja als grad60er auch nicht mehr taufrisch. Ich gehe näher ran. Die Rinde scheint unter der Last der Jahre zu leiden. Mit tiefen Furchen und schwarzbraunen Platten, stark gekrümmt und breit in der Basis, schützt sie den Stamm. Ich denke an die Handvoll Pflege-Generationen, die sie bereits überlebt hat. Ob es da so eine Art Testament gibt? Ein Erbe mit genauer Anleitung, wie mit diesem Baum umzugehen ist? Oder wie funktioniert das? Ich habe keine Ahnung und staune ehrfürchtig.

Bonsai Garten Ferch Bewertung Schwarzkiefer

Bonsai bedeutet Tablett Bepflanzung und ist die japanische oder allgemein ostasiatische Kunst, Bäume so zu bearbeiten, dass sie klein bleiben, aber wie große, erwachsene Pflanzen aussehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Quälerei gut finden soll. Aber, diese Geschöpfe sehen faszinierend aus und die Jahrzehnte dauernde, schier unendlich geduldige Pflege verdient dennoch meine Achtung.

Mit dem Fahrrad sind wir unterwegs in Brandenburg und wollen heute, am 16. Juli 2023, den Japanischen Bonsai Garten in Ferch am Schwielowsee besuchen. Der Eintritt kostet sieben Euro, mehr als angemessen für den Aufwand, der hier betrieben wird. Da wir recht lange unterwegs waren, stärken wir uns zu allererst im Teehaus. Unter einem leicht ausgefransten japanischen Schirm nehmen wir Platz.

Bonsai Garten Ferch Sonnenschirm

Mit dem Rücken zum Haus, auf die geharkte Fläche des Zen-Gartes schauend, sitzen wir entspannt und zufrieden an der Kante der Holzterrasse und warten auf die beim Blondzopfträger bestellten Köstlichkeiten. Die reduzierte Gartengestaltung war dereinst den geringen finanziellen Mitteln geschuldet, entsprach aber auch dem Zen-Gedanken der Einfachheit. Die karge Fläche sollte zum Meditieren anregen und dem Menschen helfen, ganz bei sich zu sein.

Bonsai Garten Ferch geharkter Zen Garten mit Stein

Die Bestellung dauert etwas, wir schweigen und genießen den Augenblick. Erstaunlich, wie der geharkte Kies so wirkt. Mein Atem ist flach und der Puls langsam. Ab und zu drohen mir die Augen zuzufallen. Schließlich erscheint der junge Bursche und serviert Walnuss-Mochi mit schwarzem Sesam, dazu Mizudashi und japanische Reisgebäckteile.

Bonsai Garten Ferch Mann trinkt Tee

Ein Genuss der Extraklasse. Der Klebereis ist fest wie mit einer Schale umschlossen und entwickelt im Mund eine sanfte Süße. Deutlich zu schmecken ist das Aroma von Walnüssen. Ich kaue sorgfältig, um mich nicht zu verschlucken. Teile des Reises bleiben immer wieder am Gaumen hängen, das ist ungewohnt. Das Reisgebäck ist dagegen ganz trocken und leicht. Die verschiedenen Teile sind sehr unterschiedlich: mal etwas schärfer gewürzt, mal nach mir unbekannten Kräutern schmeckend, mal salzig, mal süß. Dazwischen nehme ich kleine Schlucke des japanischen Eistees. Wir hätten uns auch der Zeremonie des heißen Teeaufgußes hingeben können, aber bei den Temperaturen erschien uns etwas Kaltes angebrachter. Der grüne Tee ist ungesüßt, leicht bitter und irgendwie exotisch; ich kann es nicht genau beschreiben. Die Farbe erscheint mir zwischen hellgrün und gelb zu liegen. Und die Tongefäße harmonieren ganz vorzüglich mit dem Getränk und der gesamten Atmosphäre. Genauso wir die kleinen Blüten auf dem Tablett und auf dem Tisch.

Bonsai Garten Ferch rosa Blüte

Plötzlich knallt es furchtbar an einem Tisch hinter uns. Mir fällt fast die Mizudashi-Tasse aus der Hand. „Alle wach?“, höre ich eine Frauenstimme. „Tut mir leid. Entschuldigung!“, fügt sie noch hinzu. Offensichtlich ist ihrem Begleiter bei der Meditation das Besteck aus der Hand gefallen. Man sollte die Muskel erschlaffende Wirkung eines japanischen Teegenusses nicht unterschätzen. Wir zahlen und erheben uns. Das war ein sehr guter Auftakt unseres Besuches des japanischen Bonsai Gartens. Zurück durch das Teehaus und nach links abbiegend, kommen wir zum Wolkenmeer Garten.

Bonsai Garten Ferch grüne Wiese und Sträucher

So würde ich unseren Garten zu Haus auch gern gestalten. Nach dem Motto „Weniger ist mehr“ scheint die Leere einer der wichtigsten Aspekte japanischer Gartenkunst zu sein. Ausgedehnte Kiesbereiche grenzen an Moosflächen. Dazwischen Kugeln grüner Pflanzen und Felssteine. Unsortiert, ungeordnet, wie natürlich entstanden. Die knapp kniehohen Kiefern sind über 100 Jahre alt, lese ich in der Broschüre nach. Und die feinen Quarzsteinebenen werden jeden Tag gesäubert und geharkt. Der Anblick fesselt mich, es fällt mir schwer weiter zu gehen.

Bonsai Garten Ferch Koi See mit Steinen

Der Teichgarten mit den Kois ist die nächste Station im Bonsai Garten. Dieser Stil hat seinen Ursprung zur Zeit des Shintoismus, vor allen Dingen in der Kaiserstadt Kyoto. Das Wasser ist so grün wie der Tee und Kois sind nicht zu sehen. Das ist vielleicht auch ein Schutz vor Kormoran und Graureiher. Das Arrangement ist auch hier sehr gut gelungen. Die besonderen Steine im Wasser und am Ufer werden verehrt wie Götter. Und sie symbolisieren Tiere wie zum Bespiel eine Schildkröte. Wie auch schon im Wolkenmeer Garten wirkt alles natürlich und unbearbeitet. Das Gegenteil ist aber der Fall. Hier muss mit Sicherheit jeden Tag intensiv gepflegt werden. Abgeschlossen wird der Teichgarten durch einen Pavillon, der „Lebendiges Bild“ heißt. Durch die Fenster kann man auf die Landschaft schauen. Die Rahmen wirken dabei wie Bildeinfassungen.

Bonsai Garten Ferch Mann schaut von einer Terrasse aufs Wasser

An den Wegen durch den Garten stehen immer wieder Gefäße mit Bonsais. Sie bildlich festzuhalten, ist eine schwierige Aktion. Sie wirken real viel beeindruckender als auf dem Foto. Ich versuche es trotzdem noch einmal.

Bonsai Garten Ferch kleiner Baum im Gefäß

Wir sind jetzt gut zwei Stunden hier und haben uns sehr wohl gefühlt. Leider schließt der Bonsai Garten jetzt um 18:00 Uhr. Wir streben dem Ausgang zu. Als ich die unter einem Dach hängende, buddhistische Glocke passiere, reizt mich die Vorstellung sie anzuschlagen. Es ist eine Bonshō. In einer Kneipe wäre dann wohl eine Stubenlage fällig, hier wahrscheinlich eher grüner Tee für alle.

Bonsai Garten Ferch alte Buddha Glocke

Die Achtung vor der buddhistischen Lehre und moralische Erziehungsgrundsätze halten mich natürlich davon ab. Der Ausgang ist verschlossen. Ich muss zurück zum Teehaus und den weiß beschürzten Jüngling um Hilfe bitten. Freundlich lächelnd öffnet er die Pforte und lässt uns hinaus.

Bonsai Garten Ferch Broschüre in einer Hand haltend

Das Resümee unseres Besuches des Bonsai Gartens in Ferch ist durchweg positiv. Sehr empfehlenswert für einen kleinen Ausflug, denn das Ferne liegt oft so nah.

Havelberg - Ein kurze Stadtbesichtigung

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Velkommen til Bornholm - Ein Gastbeitrag

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